Dossier 02 · DIN EN 60268-16 Methodik

Wie funktioniert die direkte STIPA-Methode? (Und warum zu hohe Pegel den STI verschlechtern)

Von den 98 Modulationskombinationen des Full-STI (5 Minuten) zur 20-Sekunden-STIPA-Matrix in 7 Oktavbändern – inklusive der oft übersehenen Pegel-Maskierung.

Bei der objektiven Messung nach DIN EN 60268-16 wird die menschliche Sprache durch ein spezielles, bandbegrenztes und amplitudenmoduliertes (AM) Rauschsignal nachgebildet. Die physikalische Grundidee dahinter: Störeinflüsse des Raumes (Nachhall, späte Reflexionen/Echos > 100 ms) und der Anlage (Verzerrungen, Rauschen) verringern den Modulationsgrad des Signals.

STIPA Amplitudenmodulation Original-Darstellung aus unserem Labor: Durch Nachhall und Störgeräusche geht die Amplitudenmodulation verloren – genau diesen Verlust misst das Bedrock SM50.

Warum dauert „Full STI“ 5 Minuten – und „STIPA“ nur 20 Sekunden?

Die klassische Voll-STI-Methode wertet 7 Oktavbänder (125 Hz bis 8.000 Hz) mit jeweils 14 Modulationsfrequenzen (0,63 Hz bis 12,5 Hz) aus (= 98 Kombinationen). Da niedrige Modulationsfrequenzen rund 20 Sekunden Einschwing- und Messzeit benötigen, dauert eine einzige Voll-STI-Messung ca. 5 Minuten.

(Hinweis: Moderne Handgeräte wie das Bedrock SM50/SM90 bieten neben dem 18–20-sekündigen STIPA-Modus auch einen beschleunigten Full-STI-Direktmodus mit moduliertem Breitbandrauschen in 65 Sekunden an.)

Die STIPA-Methode (Speech Transmission Index for Public Address Systems) verwendet hingegen pro Oktavband zwei gleichzeitig aufmodulierte Frequenzen, die so gewählt sind, dass alle 7 Oktavbänder in einem einzigen Durchgang von ca. 18 bis 20 Sekunden erfasst werden:

7 Oktavbänder bei STIPA Die 7 Oktavbänder (125 Hz bis 8 kHz) des STIPA-Verfahrens nach DIN EN 60268-16.

Achtung Praxis-Falle: Zu hohe Pegel verschlechtern die Sprachverständlichkeit!

Ein häufiger Irrglaube auf Baustellen lautet: „Wenn der STI zu niedrig ist, drehen wir einfach den 100V-Verstärker lauter!“ Das funktioniert nur, solange das Hintergrundgeräusch (SNR) das Problem war. Die optimale Lautstärke des Sprachsignals liegt bei ca. 65 bis 75 dB(A). Ab einer bestimmten Lautstärke (insbesondere > 80–85 dB(A)) nimmt die Sprachverständlichkeit im menschlichen Ohr durch psychoakustische Maskierungseffekte (Auditory Masking) wieder deutlich ab! Dieser Effekt ist im STI-Algorithmus hinterlegt – deshalb muss jede STIPA-Messung mit einer kalibrierten Messkette durchgeführt werden.

STI Bewertungsskala und Empfehlungen Orientierungswerte der STI-Skala von 0,0 (unverständlich) bis 1,0 (ideal).

Schlüsselfertige Messlösung ab Lager Dresden

Stellen Sie sich jetzt Ihr passendes Bedrock SM50 / SM90 Prüfset zusammen

Bedrock SM50 Basis-Set im Konfigurator ansehen →